Letzte Male  ODER  Was niemand weiß

Als sich unser Haus nach Weihnachten wieder leerte und unsere Kinder wieder in ihr Leben zurückkehrten, stiegen in mir Erinnerungen auf. Ich musste an die Zeit denken, in der sie klein und viele Dinge noch selbstverständlich waren: Wenn sie schlecht geträumt hatten, kamen sie z.B. zu uns Eltern ins Bett. Oder auch einfach nur so. Nicht selten schliefen wir dann mit drei Kindern zusammen.

Irgendwann hörte das auf. Jedes meiner Kinder lag irgendwann zum letzten Mal schlafend neben mir. Doch keiner von uns wusste, dass es das letzte Mal war.

Irgendwann trug ich sie zum letzten Mal auf dem Arm.

Irgendwann saßen sie zum letzten Mal im Tragetuch.

Irgendwann kletterten sie zum letzten Mal auf meinen Schoß.

Diese Irgendwann-Liste ließe sich noch beliebig erweitern.

Niemandem von uns war das bewusst. Und das ist auch gut so. Wenn uns das jemand gesagt hätte, hätten wir es ohnehin nicht geglaubt Diese liebevollen Rituale waren für uns selbstverständlich. Und eine Notwendigkeit, darauf zu verzichten, gab es nicht.

Und doch hörten diese Dinge auf. Einfach so. Durch das Leben.

Solche „letzten Male“ gibt es natürlich nicht nur in meiner Familie, sondern überall. Und es gibt sie auch nicht nur im Zusammenhang mit Kindern, sondern auch mit Erwachsenen. Oder mit Tieren. Oder Situationen.

Auch wenn einem niemand sagt, dass man gerade etwas zum letzten Mal erlebt – Es gibt eine Möglichkeit, solche Momente im Nachhinein lebendig zu erhalten. Das ist die Wertschätzung des Augenblicks. Dieses Innehalten und bewusste Genießen, dass man gerade Zeit mit seinen Lieben verbringt oder sich gerade an einem bestimmten Ort aufhält.

Und irgendwann hat man solche Glückserlebnisse im Herzen aufgefädelt wie Perlen auf einer Schnur.

Das ist dann wahrer Reichtum.

Eure Sybille

Perlenkette

Wer klopfet an? ODER Macht hoch die Tür, die Tor macht weit!

Jetzt ist er bald wieder vorbei, der besinnliche Advent, in Bayern auch „die staade (stille) Zeit“ genannt.
Was mich betrifft, so gibt es während des ganzen Jahres keinen einzigen Monat, in dem ich so viele Termine habe. Zusammenkünfte verschiedenster Art häufen sich zum Jahresende, als würden wir nach den Feiertagen in ein schwarzes Loch fallen, weil die Zeitrechnung dann aufhört.

In den letzten Wochen beobachte ich aber noch eine weitere Widersprüchlichkeit:
Es gibt Bewegungen in unserem Land, die dafür stehen, Kriegsflüchtlingen den Zugang in die Sicherheit zu verwehren. Menschen in Todesangst, die nur noch ihr nacktes Leben am Leib haben und – wenn sie Glück haben – ihre Familien bei sich.

Ich möchte daran erinnern, dass Josef und seine hochschwangere Maria auch Flüchtlinge waren, die niemand haben wollte. Die Geburt ihres Sohnes wird jedes Jahr frenetisch gefeiert und versetzt große Teile der Welt wochenlang in einen Ausnahmezustand.
Auch sind unsere Herzen in dieser Zeit offener und noch mehr als sonst sind wir empfänglich für rührselige Weihnachtsmärchen – im richtigen Leben oder auf dem Bildschirm.

Diese Situation – Flüchtlinge und Länder in Zugzwang – ist für niemanden toll, aber eigentlich ganz einfach:
Da sind Menschen in Not und brauchen Hilfe.
Wie würden wir uns fühlen an ihrer Stelle?

Mögen sich unser aller Herzen öffnen!

Eine gesegnete Weihnacht für alle Menschen!

Eure Sybille

Flüchtlinge

Weihnachtskrippe