Vorhersehbarkeit ODER Hätte Julia Roberts lieber mit dem Concierge durchbrennen sollen?

Ich bin ein romantischer Mensch. So wie jeder, der gerne über Dinge liest oder Filme anschaut, die sein Herz berühren.
Und was berührt unser Herz am meisten? Natürlich die Liebe in all ihren Facetten und Formen.
Außerdem habe ich Happy End gebucht. Ich finde es schön, wenn zwei „sich kriegen“, egal, in welcher Beziehung sie zueinanderstehen. Bücher oder Filme, die mich traurig, unbefriedigt oder im Unklaren zurücklassen, machen mir keine Freude. Ebenso wie – für mein Empfinden – unnötige Gewaltszenen, die eingesetzt werden, um eine dünne Story aufzupeppen.
Ich weiß zu viel über die Macht einer positiven Geisteshaltung, um mich von Lektüre oder Filmen herunterziehen lassen zu wollen. Das bedeutet nicht, dass man nur Heidi oder Ponyhof lesen oder gucken muss. Oder die Werke meiner weltberühmten Kollegin Rosamunde P..
Es gibt so viele wunderbar durchdachte, sehr intelligente Stoffe und Storys, an deren Lösung man als Leser oder Zuschauer genüsslich teilhaben kann.
Auch wenn man natürlich längst geahnt hat, in welcher Richtung der Hase läuft, bzw. welche Zwei sich kriegen. Und wer weiß das nicht beim ersten Auftritt der Hauptprotagonisten? Das sind meistens zwei optisch zusammenpassende bis gutaussehende, aber kantige Persönlichkeiten, die sich durch wachsende Zuneigung gegenseitig rundschleifen.
Um diesem Prozess beizuwohnen, geht es in den Geschichten. Und natürlich muss das Geschehen spannend sein. Bis zum Schluss. Der Weg ist auch hier das Ziel und der sollte einen fesseln, durch den gesamten Stoff hindurch.

Ein häufig gebrauchter Ausdruck für die Bewertung einer Buch- oder Filmhandlung ist Vorhersehbarkeit.
Sie wird in Kritiken oder Rezensionen gerne als Kriterium verwendet, um einen Roman oder einen Film zu beurteilen. Vorhersehbarkeit führt dabei ganz klar zur Abwertung, wird zumindest ein wenig tadelnd erwähnt, auch wenn der Stoff insgesamt sehr gut gefällt.
Aus meiner Erfahrung ist daran besonders interessant, dass dieselbe Geschichte von Lesern häufig als „vorhersehbar“ und „nicht vorhersehbar“ empfunden wird. Das hängt offenbar mit der Intuition und den romantischen Bedürfnissen der geneigten Leser oder Cineasten zusammen. Geschmackssache eben.

Als glühender Fan der alten Columbo-Krimis, die alle nach demselben Strickmuster gefertigt waren, kann ich das nicht nachvollziehen. Fast ausnahmslos wurden dort die Verbrechen gleich am Anfang und vor laufender Kamera begangen. Man wusste also die ganze Zeit über, wer der Mörder war. Aber das tat der Spannung keinen Abbruch, im Gegenteil.
Für mich ist es wesentlich aufregender, etwas zu wissen und zu „leiden“, bis es die Protagonisten endlich auch wissen, als mit ihnen zusammen im Unklaren zu tappen, bis dann am Ende eine Überraschung die Situation auflösen muss, die dann oft wirkt wie aus dem Hut gezaubert …
Aber das ist eben auch Geschmackssache, wie alles im Leben.

So wünsche ich Euch Bücher und Filme, die Euren Geschmack mitten ins Herz treffen!

Eure Sybille

P.S.: Ich persönlich hätte es nicht gerne gesehen, wenn Julia Roberts in Pretty Woman mit dem Concierge oder dem Liftboy durchgebrannt wäre. Auch wenn der Film dadurch wesentlich weniger vorhersehbar gewesen wäre …

Pretty Woman

4 Gedanken zu “Vorhersehbarkeit ODER Hätte Julia Roberts lieber mit dem Concierge durchbrennen sollen?

  1. Hallo Sybille,

    ja, ich mag auch romantische Filme. Allerdings mag ich es nicht, wenn ziemlich schnell vorherzusehen ist, wie der Film ausgeht. Es muß spannend bleiben. Am besten bis zum Schluß.

    Viele Grüße
    Annegret

    • Liebe Annegret,
      natürlich muss es spannend bleiben. Bis zum Schluss!
      Der Weg ist ja auch immer das Ziel und er MUSS einen fesseln.
      Das Gegenteil davon wäre laue Storys mit einem überraschenden Ende …

      Herzliche Grüße und danke für Deinen Kommentar!
      Sybille

  2. Sehr schöner Aaufhänger, dem ich mich nur anschließen kann.

    Und hey, der Concierge war zwar ein klasse Typ, aber nichts für Julia.
    Er war mehr väterliche Einsatz, als ein Geliebter.
    Das wäre nicht nur unvorhergesehen, sonden auch unglaubwürdig gewesen. 🙂

    Geschichten mit Hapy End sind einfach schön. Ja, man weiß, wer sich kriegt und dass alles gut wird.
    Aber das Leben ist oftmals so deprimierend, da will ich wenigstens in der Fiktion Friede, Freude, Eierkuchen.

    Liebe Grüße,
    Ramona

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