Vom mündigen Leser ODER Warum ich als Autorin nichts gegen Amazon habe

Lange hatte ich mir überlegt, ob ich zum Thema „Skrupelloses Amazon – Arme Verlags- und Buchhandelsbranche“ auch etwas schreiben möchte, nachdem ich dazu bereits ausgesprochen gute Artikel gelesen hatte. (Die Links dazu findet Ihr im Anhang.)

Aber da mich dieses Thema immer wieder aufs Neue berührt bzw. aufregt, muss ich jetzt doch meinen Senf dazugeben – aus meiner ganz persönlichen Perspektive.

Ich möchte dazu kurz meinen Werdegang als hoffnungsvolle „Jung“-Autorin schildern, die – auf der Suche nach einem Verlag – das Internet durchstöbert und daraufhin zehn Hinweisen zur Manuskript-Einsendung Folge geleistet hat.

Die Absagen kamen im Zeitraum von 6 Wochen bis 9 Monaten. Allesamt mit der Begründung, so ein Roman wie der meine würde sich nicht verkaufen, obwohl ich bei der Verlagsauswahl explizit darauf geachtet hatte, dass meine Geschichte ins jeweilige Programm passen würde.

Ja, was macht eine Autorin heutzutage, die ihr Buch veröffentlichen möchte, aber nicht mit der Tugend der Geduld gesegnet ist?

Richtig, sie wird zum Self-Publisher, bzw. zur Indie-Autorin (Indie = independent).

Und siehe da, obwohl ich nur in meinem allernächsten Umfeld geworben hatte, verkaufte sich mein Roman in kürzester Zeit bereits an die 200 Mal.

Leser teilen die Auffassung der Verlage offenbar nicht und haben da ihre ganz eigenen Vorstellungen, was sie als lesenswert erachten.

Bei meiner ersten Lesung lernte ich dann eine erfolgreiche Verlagsautorin kennen, von der ich das Geheimnis erfahren wollte, wie sie es zu einem Verlagsvertrag gebracht hatte. Ihre Antwort war ernüchternd:

Ohne Literaturagenten hätte ich keine Chance, je von einem seriösen und renommierten Verlag genommen zu werden. Meine bisherige Vorgehensweise würde außerdem niemals von Erfolg gekrönt sein, da es in der Branche üblich sei, dass unverlangt eingesandte Manuskripte UNGELESEN von Verlagspraktikanten in den Papierkorb befördert werden. Es sei denn, man hat bereits einen berühmten Namen und/oder war im englischsprachigen Ausland mit der Übersetzung des eingereichten Manuskripts erfolgreich.

Und DAS, nachdem ich monatelang auf Antworten aus den Lektoraten gewartet hatte! Ich war erschüttert und bin fast vom Glauben abgefallen!

Warum schreiben Verlage nicht auf ihre Websites, worauf sie wirklich Wert legen, sondern geben noch detaillierte Anweisungen, was man bei Manuskripteinsendungen beachten soll?!

Nicht nur, dass Verlage sich anmaßen, durch ihre Vorauswahl zu bestimmen, was der Leser lesen soll und was nicht – als Autorin und Mensch fühle ich mich durch deren Vorgehensweise alles andere als gewertschätzt.

Und genau dieser Instanz sollen Leser und Autoren nun Wertschätzung entgegenbringen? Das ist für mich der blanke Hohn.

Ja, und seitdem kenne und liebe ich Amazon. Ich kann dort zu besten Konditionen veröffentlichen, meinen Lesern meine Werke zu günstigen Preisen anbieten und kurzfristige Gratis- oder Sonderpreisaktionen schalten. Amazon macht Werbung für meine Bücher und die sehr freundlichen Mitarbeiter sind fast rund um die Uhr für mich da, wenn ich ein Problem habe oder etwas wissen möchte. Man kann gegen Amazon sagen, was man will, aber ich werde dort als MENSCH behandelt.

Von meinem Buchhändler vor Ort, bei dem ich in meiner Jugend schon mindestens einen halben Meter Hermann Hesse-Bücher erstanden hatte, wurde ich vor einiger Zeit darauf angesprochen, ob ich nicht eine Lesung halten wollte. Und zwar in der örtlichen Gemeindebibliothek, in der sonst nur literarische Prominenz auftritt. Ich fühlte mich wie nach einem Ritterschlag! Es störte diesen freundlichen Menschen kein bisschen, dass ich „nur“ Indie-Autorin war. Er bestellte meinen Roman gerne und regelmäßig und platzierte ihn stets in Nähe des Ladentischs.

Dann ging mein altvertrauter Gönner in Rente. Sein Nachfolger, ein junger Mann, gab mir neulich – auf die Lesung angesprochen – durch die Blume zu verstehen, dass man mir als hiesiger Autorin ja gerne eine Bühne bieten würde – aber bitte erst dann, wenn ich berühmt bin.

Na dann! Ich arbeite dran! 😉

Herzlichst, Sybille

Links zum Thema Amazon vs Verlage, eBooks, Veränderungen in der Branche etc.:

http://www.carla-berling.de/das-boese-boese-amazon-warum-ich-es-nicht-mehr-hoeren-kann/

http://thomasbrasch.wordpress.com/2014/08/21/deutschlands-autoren-im-wolkenkuckucksheim/

http://thomasbrasch.wordpress.com/2014/08/13/na-heute-schon-amazon-gebasht/

http://paradisolasday.blogspot.de/2014/08/amazon-und-der-buchhandel.html

Wer noch weitere Beiträge dazu hat, bitte senden! Ich füge sie gerne noch ein!

Leserin v. Adela Elibol

Das vorliegende Gemälde stammt von der bekannten Münchener Malerin Adela Elibol. http://www.adela-elibol.de

7 Gedanken zu “Vom mündigen Leser ODER Warum ich als Autorin nichts gegen Amazon habe

  1. Sehr schön und treffend formuliert. Man darf erst ankommen, wenn man berühmt ist? Ja, dann sind wohl einige Autoren bereits berühmt auf die Welt gekommen. Aber klar, ein Prominenter, der plötzlich ein Buch schreibt, dem stehen alle Türen offen. Mit sowas schmückt sich ein Verlag dann natürlich gern. Es stört mich immer kolossal, wenn Indie-Autoren von vornherein als unfähige Möchtegern-Autoren bezeichnet werden. Leider auch unter Kollegen…
    LG und weiterhin viel Erfolg für dein Buch!
    Sybille

  2. Hallo Sybille,
    ich kann deine Einstellung gut verstehen. Als Buchbloggerin lese ich sehr viel – sowohl Verlags- als auch Indie-Autoren. Der einzige, echte Unterschied aus meiner Sicht ist, dass in den Büchern von Verlagsautoren meist keine Rechtschreib- und Grammatikfehler vorkommen. Die findet man bei manchen Indie-Autoren leider doch. Das bringt dann alle Indie-Autoren in Verruf. Ich habe eine Reihe wirklich sehr guter Bücher von Indie-Autoren entdeckt. Wäre schade, wenn diese nie veröffentlicht worden wären. Außerdem schätze ich an Amazon die große Auswahl und die schnelle, einfache Bestellung und Lieferung.
    Viele Grüße
    Ann-Bettina

    • Danke für Deinen Kommentar, Ann-Bettina!
      Das Problem mit fehlerhaften Büchern von Indie-Autoren kenne ich. Sie verlassen sich leider allzu oft auf die Meinung von Amateuren.
      Allerdings habe ich das auch schon bei Werken beobachtet, die bei einem kleinen Verlag veröffentlicht wurden, der sich weder Korrektorat noch Lektorat leisten kann oder will.
      Auf mich macht das auch immer einen sehr schlechten Eindruck und ich kann solche Bücher selten bis zu Ende lesen.
      Das ist für mich ein Stück Höflichkeit dem Leser gegenüber. Oder eben nicht.
      Herzliche Grüße,
      Sybille

  3. Hallo Sybille, ich bin Verlegerin und kann deinen Ärger verstehen. Leider ist es so, dass man als Verlegerin von 200 verkauften Exemplaren nicht leben kann – nach Abzug der Kosten bleiben mit allem Drum und Dran vielleicht 50-100 Euro übrig (investiert wurden aber 500-1000 €). Und davon kann man weder Lektoren noch die Werbung oder gar das Lektorat bezahlen. Zudem kennt man seine Leserschaft nach einer Weile und will die natürlich nicht verprellen, denn das sind die Garanten für ein einigermaßen regelmäßiges Einkommen.
    Man kann als Indie-Autor inzwischen tatsächlich mehr Bücher umsetzen als ein Verlag – aber man hat als Indie-Autor vielleicht „nebenbei“ noch einen richtigen Brotjob, während der Verleger „nur“ den Verlag zum Broterwerb hat. Da muss man schlicht und ergreifend abwägen.
    Gib bitte trotzdem nicht auf! Wäre schön, wenn es dir gelingt, mit deinen Texten bekannt oder vielleicht sogar berühmt zu werden 😉
    Grüße aus Erlangen
    Michaela

    • Hallo Michaela,

      danke für Deinen Kommentar und die Schilderung aus Deiner Sicht! Zwei Dinge hätte ich anzumerken:
      Diese 200 Exemplare verkauften sich in der allerersten Anfangszeit und ohne nennenswerte Werbung. Inzwischen zählt mein Roman zu den beliebtesten bei Amazon.
      Und die zehn von mir kontaktierten Verlage waren bekannt und etabliert, und für deren „Brot“ war wohl gesorgt … 🙂
      Ich danke Dir sehr für Deine guten Wünsche für die Zukunft, die ich nur herzlich erwidern kann! Liebe Grüße aus München! Sybille

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