… die Spreu vom Weizen

Wenn in meinem Familien-, Bekannten- oder Freundeskreis jemand mit was-auch-immer in die Öffentlichkeit geht, also z.B. ein Konzert gibt oder eine Lesung hält, dann pflege ich dort hinzugehen, ihm oder ihr Beifall zu zollen, Werbung dafür zu machen oder die Person wie-auch-immer darin zu unterstützen, bekannter zu werden.

Ich tue das, weil ich es wunderbar finde, wenn jemand sein Ding durchzieht und sich traut, dies publik zu machen. Denn wie viele von uns seufzen nur immer ihren verpassten Gelegenheiten hinterher! „Ich hätte ja immer sooo gerne gemalt, gedichtet, getanzt, geschrieben, … etc., … wäre sooo gerne HeilpraktikerIn, YogalehrerIn, GeistheilerIn, … etc., geworden, ABER … Auch die ABER -Liste ist endlos lang.

Seit der Veröffentlichung meines ersten Romans habe ich persönlich sehr interessante Erfahrungen gemacht, und zwar die Menschen in meinem Umfeld betreffend. Ich habe in diesem Zusammenhang echte Überraschungen erlebt, im positiven wie auch im negativen Sinn:

Da gibt es Menschen, die sich Freunde nannten und wussten, wie wichtig es für mich in dieser Phase war, dass man in Buchläden nach meinem Roman fragte und meinen Namen nannte, um meinen Bekanntheitsgrad zu erhöhen. Und genau diese Freunde haben seit diesem Moment das Thema Mein Buch totgeschwiegen, als wollten sie mich nur taktvollerweise nicht auf eine riesige, entstellende Nase in meinem Gesicht ansprechen. Und ich muss wohl nicht hinzufügen, dass sie mein Buch – trotz allerbester finanzieller Verhältnisse – natürlich nicht gekauft haben.

Offenbar interessierte es sie nicht, was ich geschrieben habe. Mein Projekt erinnerte sie wohl zu sehr daran, dass sie selbst nicht wirklich etwas aus ihren Fähigkeiten und Wünschen gemacht haben. Auf keinen Fall gibt man dann auch nur einen einzigen Cent dafür aus, damit ein anderer Erfolg hat.

Und da gibt es Leute, die ich für mein Empfinden bestenfalls als Bekannte eingestuft hatte und die wie selbstverständlich voller Begeisterung zu meinen Lesungen kamen, noch Freunde im Schlepptau hatten und sogar noch einige Buchexemplare zum Verschenken gekauft haben. Diese Bekannten haben sich wie echte Freunde benommen und sich aufrichtig für mich gefreut. Das konnte ich ganz deutlich spüren.

Die 1. Signierung meines Lebens gab ich übrigens unserer polnischen Putzhilfe, die kein Deutsch sprechen, geschweige denn lesen kann. Sie hatte es sich nicht nehmen lassen, gleich in den nächsten Buchladen zu marschieren und präsentierte mir ihr Exemplar voller Stolz.

 

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Ein Gedanke zu “… die Spreu vom Weizen

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