Hommage für Ewa

Die Person, die ich hier in den Mittelpunkt rücken möchte, wird diese Zeilen vermutlich niemals lesen.

Sie ist meine gute Fee.

Jeden Freitag kommt sie zu mir, befreit unser Haus gründlichst u.a. von sämtlichen Hundehaaren und hinterlässt einfach eine wohltuende Atmosphäre.

Ewa ist unsere Putzhilfe. Sie kommt aus Polen und spricht kaum Deutsch. Anfangs fürchtete ich, einen Polnisch-Kurs belegen zu müssen, um ihr meine Vorstellungen näherzubringen. Doch dann stellte sich heraus, dass die Dame, für deren Agentur Ewa arbeitet, beide Sprachen hervorragend beherrscht. Sie ist sozusagen unsere Verständigungs-Schnittstelle. Durch sie habe ich mir ein paar grundlegende Wörter, wie Danke, Bitte, Ja, Nein, Wasser, etc. angeeignet.

Unsere Gespräche führten Ewa und ich anfangs mit Händen und Füßen und ich habe mir manchmal gedacht, dass es in der Steinzeit ähnlich gewesen sein muss. Seither überrascht mich Ewa jede Woche mit einem neuen deutschen Wort, das sie ganz selbstverständlich in unsere Unterhaltungen mit einfließen lässt.

Wie ich inzwischen von ihr erfahren habe, lebt sie quasi von ihrer Familie getrennt, um hier in Deutschland das Geld für die höhere Schulbildung ihrer Kinder zu verdienen. Das heißt, bis auf wenige Wochen im Jahr, zumeist über die Feiertage, sieht sie diese nicht!

Ich ziehe meinen Hut vor dieser Frau.

Und vor allen anderen Müttern und Ehefrauen auch, die sich zu solch einem für mich unvorstellbaren Schritt entschlossen haben! Letztlich um ihren Kindern die Perspektive zu ermöglichen, die diese sonst nicht hätten   –   und die diese Frauen niemals hatten!

Trotz der Sprachbarriere haben Ewa und ich ein sehr herzliches Verhältnis. Wenn sie mich anstrahlt, entblößt sie eine unvollständige Zahnreihe. Auf die Idee, das verdiente Geld hierfür auszugeben, kommt sie nicht.

Jetzt muss Ewa für ein paar Monate in ihre Heimat zurück, weil sie gesundheitliche Probleme hat und Schwierigkeiten mit einem ihrer Kinder. Vor zwei Tagen war sie zum letzten Mal bei uns und hat eine Aushilfskraft eingearbeitet, die sie für diese Zeit ersetzen soll. Als wir uns zum Abschied umarmten, habe ich ein feuchtes Glitzern in Ewas Augen gesehen.

 

Liebe Ewa!

Natürlich würde ich mir wünschen, dass wir uns bald wiedersehen. Schließlich möchte und kann man sein persönliches Hab und Gut nicht jedem anvertrauen.

Aber Ihnen wünsche ich von ganzem Herzen, dass Sie die Möglichkeit finden mögen, in Ihrer Heimat zu bleiben, bei Ihrem Mann, um den Kindern beim Wachsen zuzusehen und bei den vielen großen und kleinen Problemen zur Stelle zu sein, die Kindheit und Pubertät so mit sich bringen. Und die letztlich einen Teil unseres Zusammenlebens ausmachen. Diese Zeit geht eh so schnell vorbei …

Dziękuję, Ewa! ❤

 

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2 Gedanken zu “Hommage für Ewa

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